Sonneberg - Als es dieser Tage nahe Föritz zu einem
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Damit den Wehrleuten während der stundenlangen Löscharbeiten nicht die Puste ausging, waren noch andere Helfer vor Ort: der Betreuungszug Sonneberg-Oberlind des DRK.
Ursprünglich zum Katastrophenschutz gehörend, wurde er vor mehr als zehn Jahren aus diesem herausgelöst und den Feuerwehren zugeteilt, sollte "Not am Mann" herrschen. Im Gegensatz zu den Feuerwehren, die den Kommunen zugeordnet sind, untersteht der Betreuungszug direkt dem Landratsamt. Je nach Größe
des Landkreises müssen bestimmte Komponenten des Katastrophenschutzes vorhanden sein. Darunter fallen beispielsweise Bergwacht und Sanitätsbereitschaft. Da der Landkreis Sonneberg der kleinste in Thüringen ist, konnte nur ein Betreuungsdienst installiert werden.
Schon damals hatten sich innerhalb des DRK helfende Hände für die Verpflegung zusammengefunden. "Da entschlossen wir uns, jawohl, das übernehmen wir ab sofort", erzählt Andreas Söllner, Kreisbereitschaftsleiter und Leiter Katastrophenschutz des DRK. Auf diese Weise bilden nun insgesamt 15 Menschen den Betreuungszug Sonneberg-Oberlind unter Leitung von Heiko Schilling. Und alle haben es sich zur ehrenamtlichen Aufgabe gemacht, im Notfall kräftig mit anzupacken.
Zum Einsatz kommen die Männer und Frauen hauptsächlich im Katastrophen- und Großschadensfall. Notunterkünfte zu schaffen und leidende Menschen mit Nahrungsmitteln oder Decken zu versorgen, gehört zu ihrer Hauptaufgabe. "Man stelle sich nur einmal vor, ein Plattenbau im Wolkenrasen würde einstürzen oder wäre vom Einsturz bedroht", erklärt Andreas Söllner einen möglichen Katastropheneinsatz. "Es wäre dann die Aufgabe des Betreuungszuges, das betreffende Gebäude zu evakuieren und den Menschen beispielsweise in einer nahe gelegenen Turnhalle eine Notunterkunft einzurichten."
Für einen solchen Einsatz sind die Mitglieder bestens ausgerüstet. "Wir haben einen Mannschaftswagen, einen komplett ausgestatteten Küchenanhänger, einen Versorgungs-Lkw mit Pritsche, einen kleinen Hänger mit je 30 Decken und Betten und zwei Feldkochherde, von denen einer alleine rund 200 Leute versorgen kann", zählt Söllner auf. Denn die Nahrungsmittelverpflegung gehört genauso zu den Aufgaben des Betreuungszuges wie die medizinische Absicherung. "Klar sind dafür in erster Linie die Sanitätsbereitschaft und der Rettungsdienst zuständig", räumt der Kreisbereitschaftsleiter ein. "Aber zur ersten Hilfe gehört auch, die Menschen zu beruhigen, ihnen vielleicht den Blutdruck zu messen, sie einfach im wahrsten Sinne zu betreuen", bekräftigt er das Engagement der Truppe. Deshalb sind alle Mitglieder auch medizinisch ausgebildet. Denn gerade die Feuerwehrleute brauchen nicht nur jemanden, der sich bei einem Einsatz um ihr leibliches Wohl kümmert, sondern benötigen teilweise selbst einmal medizinische Hilfe.
Aber auch in anderen Fällen kommt der Betreuungszug Sonneberg-Oberlind zum Einsatz. So werden beispielsweise all die Freiwilligen mit belegten Brötchen, Obst, Gemüse, Kaffee und Getränken versorgt, wenn es heißt "Spende Blut, rette Leben". Darüber hinaus kann die Mannschaft für Großveranstaltungen gebucht werden und fungiert gegebenenfalls als Caterer. "Gerade bei Veranstaltungen, seien es musikalische oder sportliche, ist unsere Gegenwart unabdingbar", berichtet Andreas Söllner. "Sollte nämlich vor Ort eine Massenpanik ausbrechen, können unsere Leute das wirkliche Riskiko objektiver einschätzen als ein Besucher inmitten der rasenden Menschenmenge."
Ähnlich funktionierte die Rettungskette bei besagtem Magnesiumbrand. Kreisbrandinspektor Mario Ambrosius war vor Ort, erkannte die Lage, informierte die Rettungsleitstelle und das DRK, woraufhin der Betreuungszug alarmiert wurde und mit zwölf Aktiven ausrückte. "Das war in diesem Jahr unser erster großer Einsatz", erinnert sich Söllner. "Wir werden hauptsächlich zur Unterstützung der anderen Komponenten herangezogen, wie eben der Feuerwehr."
So standen sie den Wehrleuten in der Vergangenheit in Oberlind zur Seite, als eine Lagerhalle brannte. Oder in einem Winter in Schneidemühle, als ein Wohnhaus in Flammen aufging. "Wir haben uns aber auch um die zahlreichen Kinder gekümmert, als vor nicht allzu langer Zeit der Noro-Virus sein Unwesen trieb", berichtet der Kreisbereitschaftsleiter. Denn der Rettungsdienst, der die erkrankten Knirpse vor Ort medizinisch versorgte, musste danach wieder in den regulären Krankenhausbetrieb zurück. "Und so kümmerten wir uns um den Transport der Kleinen in die umliegenden Kliniken, wo sie weiter fachmännisch versorgt wurden", erinnert sich Andreas Söllner.
Zwar gehört der Landkreis nicht unbedingt zu den Katastrophengebieten, in denen beispielsweise Überschwemmungen oder Erdbeben zahlreiche Einsätze nötig machen. "Aber auch hier nehmen die Großschadensereignisse und die Gefahrenlage zu", bestätigt der Leiter des Katastrophenschutzes mögliche Befürchtungen. Denn noch vor ein paar Jahren gab es keine Ortsumgehung, keine ICE-Strecke mit Bleßbergtunnel und keine so nahe Autobahnanbindung wie heutzutage. "Auch den Luftverkehr sollte man nicht unterschätzen", gibt Söllner zu bedenken. Die Situation eines möglichen Terroranschlags mag man sich dabei kaum vorstellen.
Bei allem Engagement der aktuell 15 Mitglieder ist auch der Betreuungszug Sonneberg-Oberlind auf Nachwuchs angewiesen. Leider sei dies wie auch beispielsweise bei Sportvereinen ein großes Problem. Die meisten Jugendlichen würden zwar gerne helfen wollen. Doch wenn sie hörten, es sei ehrenamtlich und darum unentgeltlich, verflöge die anfängliche Begeisterung schnell. "Dabei gibt es doch keine schönere Freizeitaufgabe, als Menschen zu helfen und Leben zu retten", sagt Andreas Söllner mit Nachdruck. Wer sich trotz der Nicht-Belohnung materieller Art für ein Ehrenamt entscheidet, kann sich beim Betreuungszug Sonneberg-Oberlind melden und erst einmal "reinschnuppern" in die verantwortungsvolle Arbeit. "Sollte dann noch immer der Wunsch bestehen, anderen Menschen aktiv helfen zu wollen, wird der oder die Interessierte Mitglied des DRK und nimmt an Schulungen und Lehrgängen teil, die regelmäßig wiederholt werden", erklärt Söllner den Aufnahmemodus. "So wird man gleich zum Sanitäter ausgebildet und spart sich quasi den Extrakurs Erste Hilfe, wenn man den Führerschein machen will", fügt er augenzwinkernd hinzu. Darüber hinaus sei die Vereinsarbeit eine willkommene Gelegenheit, neue Freundschaften zu schließen. Einmal in der Woche wird dann für den Ernstfall geübt. "Und wer weiß", ergänzt der Kreisbereitschaftsleiter, "vielleicht ergibt sich durch die ehrenamtliche Tätigkeit ein künftiges Berufsfeld, an das man vorher nicht gedacht hat." Grundsätzlich gelte aber eines: "Wer ehrenamtlich für Feuerwehr, THW, DRK oder einer anderen Hilfsorganisation tätig ist, muss ein bisschen verrückt sein", sagt Andreas Söllner und lächelt dabei verschmitzt. Denn einen Großteil seiner Freizeit unentgeltlich mit der Rettung und Versorgung anderer zu verbringen, ist keine Selbstverständlichkeit.
Aber auch, wer sich nicht ehrenamtlich in einem Verein engagiert, kann helfen. "Bei erster Hilfe kann man nichts falsch machen", weiß Andreas Söllner. "Wir sind bei unseren Einsätzen ebenso auf die Hilfe von Zivilpersonen angewiesen. Und wenn sie "nur" den Notruf wählen, ist schon viel getan." Generell gilt jedoch sowohl für die Profis vom DRK als auch für den helfenden Bürger: Die Retter dürfen sich auf keinen Fall selbst in Gefahr bringen. "Wenn beispielsweise jemand in einem Fahrzeug eingeklemmt ist, dann bringt es nichts, wenn Passanten oder Sanitäter die Autotür selbst aufbrechen wollen, ohne über die notwendigen Gerätschaften zu verfügen", mahnt der erfahrene DRK-Angestellte.
Doch nicht nur körperlich setzten die Retter und Helfer ihre Kräfte aufs Spiel. Auch die psychische Belastung durch die Einsätze sei nicht zu unterschätzen. "So mancher glaubt gar nicht, was unsere Leute vor Ort manchmal mit ansehen müssen", berichtet Söllner. Deshalb wird die psychische Nachsorge besonders groß geschrieben, denn "eine Rettungskraft mit emotionalen und seelischen Schäden kann nicht zum Einsatz geschickt werden", betont er. Darum wird aktiv Stressbewältigung nach getaner Arbeit geleistet. "In Gesprächen mit anderen Einsatzkräften, die Erfahrung mit Notfällen und Katastrophen haben, werden Probleme erörtert und so manches verarbeitet, was man erlebt hat", sagt der Kreisbereitschaftsleiter.
















